Darf ich hier mal nachhaken?

Darf ich hier mal nachhaken?

Recherche for Dummies

Na endlich! Wir hatten alles nötige Wissen gesammelt, um unseren ersten Beitrag zu drehen! Also auf, auf! Schnell eine gute Story erzählt. Uns, die wir uns inzwischen als Veteranen des Medien-Business fühlten, konnte das doch nur gelingen! Also weshalb hielt man unsere jugendliche Energie zurück und zwang uns einmal mehr in den beklemmenden Konferenzsaal, um uns Recherchemethoden und Storytelling ins Gehirn zu hämmern? Wie sich herausstellte, aus gutem Grund…

JP_RecherchekursDa saßen wir nun, Dienstag morgen, quicklebendig wie eh und je. Als Jan-Peter Bartels – Redakteur Hessischer Rundfunk – eintrat, mussten wir wohl etwas unterfordert ausgesehen haben (zumindest teilte er uns das am Ende des Tages mit… das Wort „gelangweilt“ fiel). Dieser motivierte Mann präsentierte uns prompt seinen strukturierten Plan für den Tag – auf einem Flipchart (verwenden wir Medien-Mogule solch veraltete Technik überhaupt noch?).

Vorstellungsrunde: Jan-Peter – wir nennen ihn liebevoll JP – erzählte uns von seinem beeindruckenden Werdegang. Bei der Tagesschau ist er. Also einer von den ganz Großen. Damit hatte er sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit, denn schließlich war das nach diesem Praktikum unser aller Ziel! Was mussten wir dazu also machen?

Wie sich herausstellte, mussten wir recherchieren: ein guter Journalist fragt nach. Mindestens dreimal. Überall wo er kann. Und niemals die Enten füttern! Denn Enten sind böse und schlecht. Danach lernten wir, das „Ente“ ein Synonym für eine Falschmeldung ist. Hm.

Wir lernten auch, dass wir bei der Recherche immer darauf achten sollten, wie der Zuschauer/Leser/Zuhörer unsere mannigfaltigen und höchst sinnvollen (ein Kriterium, das ebenfalls erfüllt sein sollte… man lernt nie aus) Informationen auffasst und wie er sie interpretieren könnte. Denn der Kunde ist König! Und außerdem ist es die Arbeit eines Journalisten, richtig und anständig zu berichten. Um das zu erreichen, wird nicht einfach nur Wikipedia abgeschrieben, sondern Quellenrecherche betrieben. Das heißt, nachfragen, nachforschen und nachhaken. Und zwar cross-medial (Ui! Ein Fachwort – wir müssen wirklich einiges gelernt haben)!

Dabei gibt es drei Dinge zu beachten: die Position, die Bedeutung und die Authentizität. Ist unsere Quelle befangen? Oder gar in einer Partei? Und hat diese Person überhaupt Ahnung von ihrem Thema? Und was ist eigentlich mit der Relevanz? Interessiert das überhaupt jemanden? Und zu guter Letzt: Wie echt und überzeugend bringt die Quelle das rüber? Wie nahe steht sie dem Ausgesagten? Ist sie überhaupt real??? Quellenlehre war voll unser Ding. Philosophie pur.

Nun aber kam der wirklich interessante Teil: das Stalken! Also nicht wirklich. Wir lernten, wie wir das Internet gebrauchten, um die Informationen zu bekommen, die wir brauchten. Aus einer URL den Namen und die Adresse einer Person erhalten? Für uns kein Problem mehr.

Also falls das mit dem journalistischen Arbeiten nichts wird, können wir immer noch Privatdetektiv werden. Oder eben Stalker.Recherche

Unser Gelerntes durften wir zwischendurch übrigens eindrucksvoll unter Beweis stellen, da uns JP die Übungen nur so um die Ohren schlug.

Als wir am Ende des Tages nur so vor Wissen strotzen und JP bei der Feedback-Runde mit Lob überhäuften, merkte Mitpraktikant Carli treffend an: „Die Take Home Message lautet: Vertraue niemandem. Nicht mal dir selbst!“

Text: Michael Granzer

Bilder: afk tv