Schreiben auf Knopfdruck…

Schreiben auf Knopfdruck…

…aber dir fällt nichts ein?

Anke.FröchlingEine Hausarbeit hier, ein Praktikumsbericht dort. Dein Kopf ist voll, dein Papier aber noch immer leer? Schreiben ist eine Kunst – vor allem dann, wenn’s schnell gehen muss. Schreibcoach Anke Fröchling studierte u.a. Literatur und Psychologie. Im Interview erklärt sie, wie man seinen Schreibfluss findet und gibt wertvolle Tipps gegen Schreibblockaden.

Ab wann spricht man von einer Schreibblockade?

Anke Fröchling: Kleinere Schreibhemmungen hat fast jeder mal. Wenn das 1 – 2 Tage andauert, ist das kein Grund zur Sorge. Klappt es aber über einen längeren Zeitraum überhaupt nicht mit dem Schreiben, entwickelt sich daraus oft ein großer Leidensdruck. Die Gedanken kreisen dann regelrecht um die nicht erledigte Schreibarbeit, sodass abschalten kaum mehr möglich ist. In diesem Fall liegt eine ausgewachsene Schreibblockade vor, die bis zur Depression führen kann.

Stress spielt hier also eine entscheidende Rolle…

Anke Fröchling: Ja, dieser Druck entsteht häufig dann, wenn man zu hohe Erwartungen an sich selber hat. Viele Menschen sind dem eigenen Schreiben gegenüber sehr kritisch eingestellt und wollen gleich den „perfekten Text“ verfassen. Hinzu kommen oft noch schlechte Erfahrungen aus der Schulzeit, Angst vor negativer Beurteilung durch Vorgesetzte oder Kollegen. Und vielen fehlt auch das Wissen darüber, wie Schreiben funktioniert.

Was sollte man beim Schreiben beachten?

MindmappingAnke Fröchling: Wichtig ist, die Arbeit an einem Text immer als Prozess zu sehen. Los geht’s erst mal mit dem Sammeln von Informationen und Ideen. Das darf ruhig kreativ sein, Mind Mapping ist dafür zum Beispiel eine gute Methode. Danach folgt ein Entwurf, um in den Schreibfluss zu kommen. Das kann aber nur gelingen, wenn man dabei nicht alles verwirft. Dann ist Abstand angesagt, also den Text z.B. auch mal eine Nacht liegen lassen. Und erst nach diesem Schritt wird das Geschriebene überarbeitet, dann Korrektur gelesen. Letzteres am besten auch von einer zweiten Person.

Klingt einfach, wenn da nicht die Schreibblockaden wären…

Anke Fröchling: Ich empfehle in dem Fall mosaikartig zu schreiben, d.h. man muss nicht immer mit dem Anfang beginnen, sondern kann auch dort loslegen, wo einem gerade Ideen einfallen. Wenn es um eine wissenschaftliche Arbeit für die Uni geht, nochmal Kontakt suchen mit seinem Betreuer, um eventuelle Fragen zu klären. Genug Pausen einlegen: Vier Stunden intensives, konzentriertes Schreiben pro Tag sind ausreichend. Die Abende schön gestalten, sich die Wochenenden freihalten, sodass man auch wieder auftanken kann. Das ist besonders bei einem wochen- oder monatelangen Schreibprozess wichtig.

Oft muss schreiben aber auch schnell gehen. Wie schafft man das am besten unter Zeitdruck?

Anke Fröchling: Wenn wirklich wenig Zeit ist, hilft ein optischer Abstand häufig sehr weiter, d.h. seinen Textentwurf bewusst kurz optisch verfremden. Das geht am Computer schon mit wenigen Mausklicks – andere Schriftart, schmälerer Seitenrand, heranzoomen oder kleiner machen… Dadurch verändert sich der Blick auf den eigenen Text und man erkennt sehr schnell, was daran noch nicht ideal ist. Auch Checklisten sind eine gute Möglichkeit, um seine Arbeit, auch wenn die Zeit knapp ist, noch zu verbessern.

Welche Methoden können helfen, um auch bei Stress in den Schreibfluss hineinzufinden?

SeeAnke Fröchling:Je entspannter man ist, desto leichter können die Gedanken fließen. Das bedeutet oft auch: weg vom Computer, eine halbe Stunde raus und einen Spaziergang machen. Ansonsten hilft vor allem freies Schreiben, um Druck abzubauen. Hier gibt es keine Vorgaben oder Bewertungen: Einfach mal Stift und Block zur Hand nehmen, seine Gedanken und Ideen niederschreiben. Dann gibt es auch z.B. Mind Mapping, um kreativ zu einer Textstruktur zu kommen.

 

Wie läuft ein Schreibcoaching bei Ihnen ab?

Anke Fröchling: In einem Vorgespräch kläre ich, worum es genau geht, was der Klient braucht. Im Coaching geht es dann um die individuellen Themen: Schreibängste abbauen, Motivation finden, bei Struktur, Stil und Inhalt sicherer werden… Ich unterstütze im Gespräch, gebe Informationen und vermittle Schreib- und Gliederungstechniken. So ein Schreibcoaching dauert durchschnittlich acht bis zehn Stunden. Manches kann man schneller bearbeiten. Einige Klienten lassen sich aber auch über einen längeren Zeitraum begleiten.

Was kann man tun, damit es erst gar nicht zu Schreibblockaden kommt?

Anke Fröchling:

  1. Sich den Schreibprozess klarmachen, d.h. man muss nicht sofort druckreif schreiben und es ist auch nicht immer notwendig am Anfang, bei 1.1. zu beginnen.
  2. Einen Schreibrhythmus finden, regelmäßig schreiben und dazwischen unbedingt Pausen machen.
  3. Schreibtechniken nutzen, z.B. Checklisten, Mind Mapping…usw.
  4. Schreibsituation verbessern,evtl. Konflikte klären, Kontakt aufnehmen mit dem Betreuer der wissenschaftlichen Arbeit – und sich bei Bedarf Hilfe holen.

Anke Fröchling: http://www.schreibcoaching.de/

Interview: Lisa Hörnler

Foto: Anke Fröchling (Header), afk tv (Beitragsbild)