Von der Tiefenschärfe zum gutem Ton

Von der Tiefenschärfe zum gutem Ton

Praktikant Valentin bloggt über die afk-Einweisungszeit

Valentin_BruecknerFür unsere jungfräulichen Praktikanten-Seelen war es wie Balsam, von einem derartigen Kamera-Enthusiasten wie Günter Brockt in die hohe Kunst des Filmens eingeweiht zu werden. Mit fast kindlicher Begeisterung folgten wir seinen lebhaften Schilderungen von Aufenthalten in eiskalten nördlichen Gefilden, in englischen Atom-U-Booten und an den sagenhaftesten Orten, die über jeden Zweifel an der Großartigkeit seines Berufes erhaben waren. Für uns Neulinge stand fest: das wollen wir auch machen.

Nach der bewegenden Anfangsrede war es dann soweit. In beinahe sakral anmutender Stimmung (nur der Weihrauch fehlte) gewährte man uns Einblick in das Instrumentarium eines Kameramannes. Zwischen all den „Ohhs“ und „Ahhs“ zeigten unsere Gehirne in all der Reizüberflutung sogar noch so viel Aufnahmebereitschaft, dass uns Günter sogleich in die gefährliche Welt vor den afk schickte, auf dass wir mit schicken Aufnahmen verwirrter Passanten zurückkämen.

Kamera1Man muss sich natürlich eingestehen, dass man von der schier unüberschaubaren Anzahl an Möglichkeiten, die so eine Kamera bietet, anfangs noch dezent überfordert ist. Da vergisst man dann mal, die Blende richtig einzustellen oder den Graufilter einzuschalten oder den Shutter abzustellen etc. Doch das ist in diesem eindeutig praxisorientierten Seminar absolut kein Beinbruch. Wir mussten die Distanz vom vierten Stock bis auf die Straße so oft überwinden, um unser theoretisches Wissen in praktische Kompetenz umzuwandeln, dass wir inzwischen problemlos an einem Halbmarathon teilnehmen könnten.

Ab dem zweiten Tag schleppten wir als zusätzliches Equipment diverse Mikrofone, Tonangeln, Mischpulte und Sender durch die Gegend, um uns anschließend an unseren qualitätsjournalistischen Beiträgen über das – pardon – Sauwetter zu erfreuen, bei denen dieses Mal allerdings alle Facetten unserer vollen Stimmen vernehmbar waren.

Kamera2Für die nächsten Aufträge, die uns Günter einbrockte, benötigten wir allerdings weniger tontechnische Perfektion als vielmehr überschäumende Kreativität. Die Begriffe „Close-Up“, „Halbtotale“, „amerikanisch“ und viele mehr schrien danach, von uns innerhalb der Themen „Werbefilm“, „Warten“ und „Verfolgungsjagd“ umgesetzt zu werden. Davon stachen vor allem die letzten beiden besonders heraus, in denen mancher Praktikant zum hollywoodreifen Schauspieler avancierte und die eine oder andere Kniescheibe bei allzu waghalsigen Fluchtmanövern protestierte.

Kamera5Um uns neben dem reinen Bedienen einer Kamera auch auf unsere journalistische Zukunft vorzubereiten, liefen wir am Freitag kreuz und quer durch den afk und befragten Menschen zu dem Thema, ob man seine Katze vegan ernähren solle/dürfe. Auch Günter wurde zwischen zwei Bissen Leberkas-Semmel zurate gezogen, wobei seine Meinung unschwer zu erraten sein dürfte.

Kamera4Nach all diesen Anstrengungen kam uns ein entspannendes Wochenende sehr gelegen, während dem wir uns mental auf die Aufnahmen für unsere erste fiktive Homestory vorbereiten konnten. Am Montag war es dann soweit: den ganzen Tag wuselten wir Praktikanten im und um den afk herum und produzierten lachmuskelstrapazierende Aufnahmen von weltbekannten Prominenten. Nun ja, zumindest verkörperten wir diese Berühmtheiten so sensationell gut, dass manche Klobürste, Paprika oder Karotte ihren letzten Atemzug tat. Gleichzeitig lag allerdings auch ein Anflug von Sentimentalität in der warmen Frühjahrsluft, da wir uns von Günter, unserem allseits geschätzten Kamera-Gott und Weißwurst-Affinateur, verabschieden mussten. Sein Können und seine amüsanten Anekdoten werden uns jedoch in bester Erinnerung bleiben.

Kamera3Ein Resümee über diese erste Woche als afk-Praktikant lässt sich vielleicht so formulieren: es ist eine einzigartige Mischung aus exzellenter Vorbereitung, fast familiärem Miteinander, praktischen Erfahrungen und einer Überdosis Spaß. Kurzum: einfach empfehlenswert!

Text: Valentin Brückner

Fotos: Günter Brockt